Nicht alles läuft rund, trotz des großen Engagements der befragten Projektmanager. Unterschiedliche Stolpersteine wurden häufig genannt und werden im Folgenden näher erläutert. Wer diese kennt, weiß, womit er rechnen muss, vermeidet eher Frustrationen und kann im besten Fall rechtzeitig gegensteuern.

Stolperstein 1: Überforderung und mangelnder Einsatz der Unternehmer

Viele der Teilnehmer sind trotz Schulungsangeboten überfordert, regelmäßig ansprechenden, professionellen Content zu liefern, der den Ansprüchen einer modernen Online-Plattform genügt. Dies gilt für Texte wie für Bilder. Darunter leidet neben der Qualität auch die Quantität der Beiträge und Angebote. Die mangelhafte Pflege ist oft auch in einer generellen Trägheit begründet. Vielen Teilnehmern scheint die Bedeutung der Plattform trotz entsprechender Sensibilisierungsgespräche zum Thema Digitalisierung und Sichtbarkeit nicht ausreichend klar. Für Aktualisierungen und Ideen rund um die Plattform wird nicht regelmäßig Zeit eingeplant. Von alleine erledigt sich aber nichts. Im Gegenteil, gerade für Ungeübte ist diese neue Form des Marketings anfangs zeitintensiv. Der Zeitaufwand für die Plattform-Pflege, idealerweise für ein richtiges Cross Channeling, wird vielfach unterschätzt. Eine gewisse Trägheit zeigt sich auch darin, dass nicht alle die angebotenen Schulungsangebote annehmen. Dies ist von Ort zu Ort durchaus unterschiedlich, aber überall gibt es zumindest einige, die mit dem Zahlen des Mitgliedsbeitrages glauben, ihrer Pflicht genüge getan zu haben.

Stolperstein 2: Fehlende Warenwirtschaftssysteme

…erschweren noch zu vielen Händlern das rasche Einstellen von Produkten. Ohne Schnittstellen zu einem Warenwirtschaftssystem ist keine Automatisierung möglich, das bedeutet doppelten Aufwand. Zudem verliert jemand mit eigenem Shop, aber ohne Warenwirtschaftssystem schneller den Überblick und hat ggf. nicht das Richtige vorrätig. Erfreulicherweise findet hier langsam ein Umdenken statt.

Stolperstein 3: Finanzierungsproblematik

Viele kleinere Unternehmer agieren immer noch ohne eigenen Werbeplan und -budget. Ausgaben für Marketing werden lieber nach Kassenlage entschieden und kommen nur nach guten Monaten zum Tragen. Eine digitale Marketingstrategie gibt es noch seltener. Ein 12- oder 24-Monats-Vertrag für eine Online-Plattform hingegen bindet, das ist für viele ungewohnt, finanziell schwierig und erhöht dadurch die Hemmschwelle zum Mitmachen. Oft müssen die Verantwortlichen feststellen, dass umfangreichere, teurere Pakete mit Angeboten wie Shop-Integration oder google AdWords weit weniger gefragt sind, als vorher gedacht. Erfahrungsgemäß sind hohe Preise oder auch Preis-Erhöhungen für Teilnehmer nicht oder nur in Einzelfällen vermittelbar.

Die untersuchten Plattformen tragen sich nicht allein durch die Teilnehmerbeiträge. Diverse Fördertöpfe und Sponsoren finanzieren zusätzlich. Das heißt, die Finanzierung muss von Anfang an zusätzlich auf mehreren Pfeilern stehen. Zeitlich begrenzt geförderte Projekte müssen sich frühzeitig darauf einstellen, dass durch den Wegfall der Förderung ab Tag X eine andere Kostenkalkulation nötig wird. Dies belastet, doch längerfristig planbare Finanzierungsgrundlagen sind für das erfolgreiche und perspektivische Arbeiten am Projekt unabdingbar. Stattdessen ist in der Realität oftmals ständige Überzeugungsarbeit für die fortdauernde Unterstützung notwendig.

Stolperstein 5: Falsche Erwartungshaltungen

Die Unternehmer erhoffen sich oft mehr vom Prinzip „Click und Collect“ oder „Reserve und Collect“, da es für sie weniger Zusatzaufwand bedeutet. Dies wird aber vielerorts von den Kunden kaum angenommen. Einen Shop dagegen lehnen weitaus mehr Händler ab, als es die Projektmanager ursprünglich für ihre Plattformen antizipiert hatten. Auch die Logistik rund um den Warenversand wird trotz Erfolgen nicht von allen Unternehmern dauerhaft akzeptiert. Die Bereitschaft, wirklich neue Wege zu gehen, ist bei manchen Teilnehmern geringer als erwartet.

Stolperstein 6: Gefahr Abwärtsspirale

Eine latente Gefahr liegt in der fragilen Teilnehmerschaft. Wenn es statt neuer Teilnehmer etwaige Austritte (z.B. nur durch Geschäftsaufgaben) gibt, so dass die Gesamtzahl sinkt und wenn sich zudem wenige unzufriedene Nörgler lauter Gehör verschaffen als die schweigende, zufriedene Mehrheit, kann die Stimmung kippen, das Projekt in eine Abwärtsspirale bringen und grundsätzlich gefährden oder sogar zum Erliegen bringen.

Dies kann auch passieren, wenn die Stelle des Projektmanagers plötzlich länger nicht mehr besetzt ist und sich in dieser Phase die Betreuung, Akquise und vor allem die Datenqualität drastisch verschlechtern.

Stolperstein 7: Zeitfaktor

Die Aufgaben des Projektmanagers sind sehr zeitintensiv. Das Ehrenamt kommt hier schnell an seine Grenzen.
Auch viele Ideen-Entwicklungen und Umsetzungen dauern länger als ursprünglich gedacht. Das gilt vor allem für die Akquisition, aber auch für die Abstimmung mit der Politik und anderen Partnern. Vieles muss aber „ineinander greifen“ und so entstehen Hemmnisse für den ganzen Prozess. „Das dauert alles länger als gedacht“

Stolperstein 8: Fehlende Erfolgsmessungen

Die Interviews zeigen, dass der allgemeine Nutzen der Online-Plattformen in der Regel schwer messbar ist. Erfolge werden aber bereits früh erwartet. Fehlende Zahlen hierzu erschweren die Argumentation gegenüber (potentiellen) Teilnehmern und Fördernden.

Weitere Hindernisse

Als weitere Hindernisse wurden ebenfalls genannt

  • Plattform hat gegenüber bereits etablierten Angeboten wie Google und Facebook geringere Chancen
  • Kostenintensiver Imageaufbau der Plattform durch flankierende Online- und Offline-Maßnahmen
  • Teilnehmer scheitern an zu komplexer Technik z.B. Erlernen eines neuen Content Management Systems
  • Aufkommen rechtlicher Fragen wie Internetrecht, Gewinnspiele
  • Verwirrende Konkurrenzprodukte vor Ort oder in der Region (z.B. diverse Apps)
  • Restriktionen durch die Lieferanten, die Shop nicht unterstützen und Marke entziehen