Plattformen als „Digitale Heimat“

Lokale Online-Plattformen dürfen in einer Bewertung aufgrund ihrer Differenziertheit nicht über einen Kamm geschert werden. Es gibt mittlerweile sehr viele verschiedene Modelle, die ähnliche Ziele (z.B. Abbildung des lokalen Angebots, Mithalten gegen die Online-Konkurrenz) mit unterschiedlichen Ansätzen erreichen wollen. Diese Angebotsvielfalt ist gut, denn die große Konkurrenz der Betreiber verhilft zu einer stetigen Optimierung der Produkte bzw. reinigt den Markt von nicht funktionierenden Ideen und Projekten. Sie ist aber auch unübersichtlich. Ein wichtiges Ziel der Studie gemeinsam.online war es daher, Licht in den Dschungel aus Systemen zu bringen und Hilfestellungen bei der Auswahl des individuell passenden Herangehensweise zu bieten.

Übergreifend kann dennoch festgehalten werden: Kommunen, Wirtschaftsförderungen, Standortgemeinschaften und Gewerbetreibende sollten gemeinsame Online-Plattformen als Chance im digitalen Wandel sehen. Wie oben beschrieben gibt es durch sie nachweisbare Vorteile und Nutzen, die es natürlich immer im Kontext der zu leistenden Investitionen abzuwägen gilt. Für den laufenden Prozess bedeutet das, stets im Auge zu behalten, welcher Aufwand welcher Wirkung gegenübersteht und dementsprechende Anpassungen vorzunehmen.

Ein engagierter Systembetreiber wird der richtige Partner und Experte für laufende Weiterentwicklungen sein. Diese Rollenaufteilung sollte von Anfang an vertraglich vereinbart werden. Idealerweise dient die Plattform als Basis in der weiteren Entwicklung dann dazu, gemeinsame Kundenbindungsinstrumente wie digitale City-Gutscheine und andere Kampagnen anzudocken. Es sollte versucht werden, mit den Kunden ein „Prime“-Verhältnis aufzubauen und ihnen durch viele Vorteile eine „Digitale Heimat“ auf der Plattform zu bieten.

Kein Allheilmittel – Händler sind weiter in der Pflicht

Deutlich wird aber auch: Es kann keine pauschale Empfehlung zur Einrichtung einer lokalen Online-Plattform als Lösung aller Probleme im stationären Handel geben. Denn die Plattformen ersetzen keine individuelle Unternehmensstrategie und können keinen schlecht geführten Laden ohne Service, dafür mit veralteter Optik und seelenlosen Produkten plötzlich bestens da stehen lassen.

Aufwaertsspirale beim Umgang mit digitalen Marktplätzen

Die Hauptverantwortung für den Geschäftserfolg liegt ohne Frage weiterhin bei den Gewerbetreibenden. Wer seine Hausaufgaben nicht macht und ureigene Aufgaben wie den eigenen „google my business“ Eintrag nicht pflegt, wird auch von gemeinsamen Online-Plattformen oder anderen local-based-services nicht profitieren können. Daher muss jeder Plattform für ihren Gesamterfolg auch eine ganzheitliche, durchdachte Marketingstrategie der jeweiligen Teilnehmer gegenüberstehen. Der weiteren Qualifizierung von Händlern kommt daher eine entscheidende Rolle zu. Hier kann die Gemeinschaft mit gebündeltem, vorselektiertem Wissenstransfer sinnvoll unterstützen, sollte aber auf Dauer ein „Gießkannenprinzip“ vermeiden und lieber gezielter diejenigen fördern, die sich engagiert ihrer Eigenverantwortung stellen.

Auch wenn es sehr nach Floskel klingt: „Handel ist Wandel“ – und wie die Plattformen in ein paar Jahren beschaffen sein müssen, um beim Kunden zu wirken und welche Rolle sie dann (noch) spielen, ist seriös nicht vorhersagbar. Sie sind aktuell aber für viele kleinere und mittlere Händler wichtig, um jetzt den Einstieg in die digitale Handelswelt und damit die Zukunft nicht zu verpassen.

Digitales Citymanagement muss sein

Egal ob Plattform oder nicht – das heutige City- und Stadtmarketing muss neu definiert werden. Eine Erweiterung ist überfällig. Ein digitales Stadt- bzw. Citymanagement stellt die zwingende Ergänzung zum bisherigen Aufbau dar.

Integriertes Stadtmarketing

Dieses digitale Citymanagement kann nicht allein privatwirtschaftlich geregelt werden, da es ähnlich wie das klassische Stadtmarketing und die Wirtschaftsförderung kein eigenes Ertragsmodell darstellt. Daher sollte die Stadt es als wichtiges Instrument zur Sicherung der Daseinsvorsorge begreifen, statt sich darauf zu verlassen, dass ihre Unternehmer den digitalen Wandel schon irgendwie allein bewältigen. Nur so können die weiteren Voraussetzungen für einen Fortbestand zumindest von Teilen der örtlichen Handelslandschaft, die nach wie vor einen der wichtigsten Attraktionsfaktor für die Innenstädte darstellen, geschaffen werden.


Detailinformationen

  • Abschlussbericht „Gemeinsam online“ (PDF | 780 KB), auch in den Downloads zu finden