Wenn Online-Plattformen mit lokalem Fokus zeitgemäßen Anspruch herstellen möchten, müssen sie konsequent die Komponenten ‚Sozialer Bezug‘ (So), ‚lokale Ausrichtung‘ (Lo) und ‚mobile Nutzbarkeit‘ (Mo) in das Zentrum ihres Modells stellen.

Doch was ist unter dem SoLoMo-Prinzip zu verstehen? – Eine Erklärung.

Sozial: Der Mensch im Mittelpunkt

Bei aller technischen Entwicklung ist man dazu geneigt, der Technik einen zu großen Stellenwert beizumessen und zu vergessen, für wen sie gemacht ist bzw. wem sie nutzen soll: den Menschen. Die technischen Gegenstände, die uns umgeben und die wir nutzen, sind demnach Werkzeuge, derer sich die Menschen bedienen, um gewünschte Ergebnisse zu erzielen.

Wir gehen nun davon aus, dass alles, was Menschen tun, für sich selbst oder für andere gedacht ist. Das macht aus den Menschen Geber und Nehmer, Sender und Empfänger, Lehrende und Lernende usw. Vom Menschen geht Aktion aus und kann Reaktion erfolgen, ein kontinuierliches Hin und Her. Es entsteht Interaktion. Interaktion gibt es seit jeher in der „analogen“ Welt. Das Internet ermöglicht spätestens mit dem Mitmach-Web (Web 2.0), dass Menschen auch im digitalen Raum Konsument und Prosument sein können. Das beste Beispiel dafür sind diverse Social Media-Plattformen, auf denen Menschen untereinander Texte, Bilder und Filme teilen.

Verstärkt wird dieses Teilen und Mitteilen untereinander durch den Reiz, dies öffentlich zu tun. Bei entsprechender Attraktivität der Information entsteht ein sogenannter Netzwerk-Effekt, der desto stärker wird, je größer das Netzwerk ist.

Lokal: Der Standort ist der Unterschied und macht den Unterschied

Es mag seltsam erscheinen den Begriff der Lokalität mit dem globalen Internet zu verbinden. „Global“ wird in diesem Zusammenhang mit „weltweit“ oder „weltumspannend“ übersetzt. Der punktuelle Blick rückt dadurch in den Hintergrund.

Die Sache sieht jedoch anders aus, wenn die Globalität mit der Summe vieler Orte gleichgesetzt wird; sowie zwei Punkte eine Linie bilden, so bilden eine Vielzahl an Örtlichkeiten eine Fläche, die unsere Weltkugel umspannt. Manifestiert werden die globalen Örtlichkeiten als geografische Koordinaten mit Grad, Minuten und Sekunden im World Geodetic System 1984, das die Grundlage für das Global Positioning System (GPS) bildet.

Auf den ersten Blick scheint der Standort-Begriff schnell erklärt zu sein. Bezogen auf den Menschen könnte man sagen: „Der Ort, an dem sich eine Person befindet“. Fixiert wird der Standort an einem bestimmten Punkt. Ausgehend davon erweitert sich der Örtlichkeitsbegriff: Lokal, regional, überregional, national, international, global. Je nach Betrachtungsebene wird der eine oder andere Begriff mit dem Standort in Verbindung gebracht.

Die geografische Umgebung ist das persönliche Umfeld, das aus anderen Menschen wie der Familie, Nachbarn, Vereinsmitgliedern etc. besteht. Dazu gehören auch die Objekte und insgesamt das ganze Leben, das sich zum Beispiel in einer Stadt abspielt: Freizeiteinrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten, der Arbeitsplatz usw.

Der genauere Blick auf den Standort ist differenzierter: er ist absolut UND relativ. Aus der Perspektive einer Immobilie ist der Standort absolut zu sehen, da sie – wie der Name schon sagt – unbeweglich ist.
Beim Menschen stellt sich das anders dar: Zwar muss oder kann auch er an einem konkreten Punkt verweilen; grundsätzlich hat der Mensch aber die Möglichkeit, seinen Standort zu verlassen. Das führt dazu, dass sich der Standort verschiebt, sich auf den mobilen Menschen konzentriert: Lokalität wird relativ.

Mobil: Das Erreichen und Verlassen von Standorten

Technische Entwicklungen haben es der Menschheit ermöglicht, sich schneller zu bewegen als es die eigenen Beine vermögen. In kürzester Zeit haben die Menschen die Möglichkeit von A nach B zu gelangen.

Mit dem physischen Verlassen von A bricht die Beziehung zu den dort verbleibenden „Objekten“ ab. An Punkt B angelangt werden neue Verbindungen aufgebaut, die sich durch die Dauer des Aufenthaltes verstärken können. Auch zwischen A und B entsteht so etwas wie eine Beziehung zur Umgebung, die in den meisten Fällen der Orientierung dient. Trotz dieser Flüchtigkeit spielt der eigene Standort und der des Orientierungspunktes eine entscheidende Rolle, um an das Ziel zu gelangen.

Das SoLoMo-Prinzip

Für sich genommen sind die drei Phänomene nicht neu. Sie gab es schon immer und sie haben sich im Grunde nicht verändert. Lediglich die Art und Weise hat sich wegen des technischen Fortschritts kontinuierlich weiterentwickelt. Eine gleichzeitige Verbindung zwischen allen drei Ausprägungen war nicht möglich.

Erst die Digitalisierung, die Vernetzung und der Datentransfer haben eine Brücke zwischen diesen drei Ausprägungen geschaffen, die zu einer Symbiose in Form von mobilen Endgeräten wie Smartphones geführt hat.

Das Smartphone ist aus dem Leben der Menschen nicht mehr wegzudenken: Es begleitet uns als persönlicher Assistent den ganzen Tag. Wir pflegen darin unsere privaten und geschäftlichen Kontaktdaten, bleiben mit den jeweiligen Personen über soziale Netzwerke in Verbindung. Wir lassen uns zu Orten mittels Global Positioning System (GPS) navigieren und verfolgen unseren Weg auf der zuvor geplanten Route in Echtzeit. Währenddessen lauschen wir Musik-Streams, die wir uns individuell zusammenstellen können, ohne noch einen Tonträger mitführen und irgendwo einlegen zu müssen. Zum ersten Mal ist es uns möglich alles jederzeit an jedem Ort zu konsumieren – Internet-Verbindung und Smartphone vorausgesetzt. Nahes und Fernes verschmelzen miteinander und zeigen sich gleichberechtigt als Pixel auf dem Display unserer mobilen Endgeräte.

Hinzu kommt die Individualität jedes Menschen; seine Bedürfnisse, Wünsche, Präferenzen, die mittlerweile – bewusst und unbewusst – digital geäußert und somit gespeichert sind. Das Gefühl zu haben, dass uns zum Beispiel auf Websites Produkte und Dienstleistungen angeboten, die uns interessieren könnten, täuscht nicht. Diese digitale Antizipation ist bereits Realität. Internet-Firmen haben über die Jahre hinweg Informationen über uns gesammelt, haben Profile aufgebaut, vergleichen diese mit anderen Profilen und liefern uns innerhalb von Sekundenbruchteilen die Informationen, die für uns persönlich relevant sind.

Gespeist wird der Datenschatz aus unserem Verhalten: aus Konversationen mit Freunden und Bekannten, die wir über Social-Media-Kanäle führen, obwohl sie sich nicht weit weg von uns befinden; aus unseren Anfragen über einschlägige Suchmaschinen nach Produkten und Dienstleistungen, die wir vor allem in der unmittelbaren Umgebung finden möchten; aus unserem Bewegungsprofil heraus – ob nun in der realen oder der virtuellen Welt.

Das SoLoMo-Prinzip spielt bereits jetzt eine große Rolle im Leben der Menschen, die tagtäglich über das „Internet in der Hosentasche“ mit ihrem nahen und fernen Umfeld verbunden sind.

Ob Online-Plattformen mit lokalem Fokus ein Baustein sind, wird sich im Folgenden zeigen.