Online-Plattformen mit lokalem Fokus sind ein komplexes Thema, dem man bei der existierenden Vielzahl an Systemen und Betreibern, diversen vor-Ort-Akteuren und unterschiedlichsten Handelslandschaften und Rahmenbedingungen mit einer allgemeingültigen Bewertung nicht gerecht werden kann. Was in einem Ort funktioniert, kann in einem anderen scheitern. Was für manche Händler eine technische einfache Lösung darstellt, ist für andere zu komplex. Was für manche Kommune und/oder Standortgemeinschaft finanziell und personell stemmbar ist, stößt andernorts schnell an Grenzen. Und wie gut die Zusammenarbeit mit einem Betreiber funktioniert, hängt zum Teil auch immer an den jeweiligen Köpfen. Dementsprechend muss die Bilanz durchaus differenziert ausfallen.

Was können Plattformen also leisten?

Was können Sie als Kommune, als Standortgemeinschaft und als Teilnehmer erwarten und wo liegen die Grenzen?

Folgende 10 Zielsetzungen werden hierfür beurteilt:


Bündelung von allen relevanten Stadt-Informationen und News

Die Kombination von vielen Informationen auf nur einer Plattform bietet die Chance, die Stadt digital und sehr nutzerfreundlich in ihrer ganzen Vielfalt abzubilden. Eine gebündelte Anlaufstelle generiert mehr Klicks. Die lokale Plattform sollte daher auch direkt über die Startseite der städtischen Homepage erreichbar sein.
Die Teilnehmerporträts aus der Geschäftswelt mit ihren Produkten und Aktionen können idealerweise mit einem kompletten Veranstaltungskalender kombiniert werden, der diverse Angebote des Kulturreferats, der Vereine und der Unternehmer kombiniert. Auch andere tägliche Informationen wie z.B. der aktuelle Mittagstisch vor Ort wecken erfahrungsgemäß viel Interesse.

Fazit Erfüllungsgrad: 5 von 5

Steigerung des Wir-Gefühls und Verbesserung der Kommunikation

Das kollektive Ziel, die Plattform ins Netz zu bringen und aktuell zu halten, verbunden mit gemeinsamen Herausforderungen, Meilensteinen und neuen Aktionen, verbindet und bringt eine spürbare Steigerung des Wir-Gefühls in die Unternehmerschaft.
Die Plattform bietet hierfür die notwendige Klammer und fördert z.B. durch regelmäßige begleitende ERFA-Stammtische eine neue Form von Austausch und Netzwerk. So können neue lukrative Partnerschaften entstehen. Voraussetzung ist, dass der Prozess durch einen Projektmanager entsprechend gesteuert und moderiert wird.

Fazit Erfüllungsgrad: 5 von 5

Kosten- und Arbeitsersparnis für den Einzelnen

Die Teilnehmer-Gebühren für die meisten Plattformen sind als moderat zu bezeichnen. Notwendige Schulungsangebote und Hilfen zum Umgang mit der Technik sollten inkludiert sein. Oft erhalten Mitglieder der Standortgemeinschaft einen zusätzlichen Rabatt. Die Teilnehmer profitieren von günstigen Paketpreisen z.B. für professionelle Fotos der Geschäftsräume, so dass insgesamt ein hoher Standard der visuellen Darstellung geschaffen und gewahrt wird. Wer Unterstützung bei der Texterstellung, Aktionsvorschläge u.ä. braucht, kann sich dies oft kostengünstig über Premiummitgliedschaften dazu buchen, wenn dies nicht schon im Service des örtlichen Projektmanager-Teams enthalten ist.

Wer seine Investitionen im Rahmen des Gesamtmarketings entsprechend umschichtet, kann also von klaren Kosteneinsparungseffekten profitieren.

Fazit Erfüllungsgrad: 4 von 5

Etablierung der Geschäftswelt als Marke / Stärkung des lokalen Bewusstseins

Die Etablierung einer Marke braucht Zeit und Durchhaltevermögen. Eine schnelle Umsetzung ist nicht realistisch. Mit Ausdauer und den richtigen Köpfen kann es aber gelingen.

Für die Steigerung des Bekanntheitsgrades einer Plattform ist es wichtig, auch auf flankierende Offline-Maßnahmen und regelmäßige Pressearbeit zu achten. Die Plattform muss aus dem Netz herausgeholt werden und im Stadtraum, auf Messen und diversen Veranstaltungen sichtbar sein. So können auch die weniger online-affinen Bürger auf die Vorteile des lokalen Einkaufs hingewiesen und mitgenommen werden.

Fazit Erfüllungsgrad: 4 von 5

Cross Marketing Effekte

Ein Problem der Plattformen ist, dass der Erfolg des Einzelnen von der Gruppenaktivität und -dynamik aller Beteiligten abhängt. Wenn nur Wenige aktiv Produkte und News einstellen, wird die Plattform zunehmend uninteressanter und in der Folge schlechter besucht. Dies kann vor allem passieren, wenn kein Projektmanager den Gesamtüberblick behält und sicherstellt, dass neue Inhalte kontinuierliches Interesse wecken.

Für jeden geschäftstüchtigen Händler sollte eine lokale Plattform nur ein digitales Standbein von mehreren sein. Um marktfähig zu bleiben, ist das erworbene Wissen grundsätzlich für den eigenen Geschäftserfolg einzusetzen. Synergien werden erzeugt, wenn die Plattform-Aktivitäten auch in anderen Kanälen, etwa in Sozialen Medien, verbreitet werden und auch umgekehrt auf die Plattform hingewiesen wird.

Fazit Erfüllungsgrad: 3 von 5

Umsatzrelevanz und RoPo Effekte

In diesen Bereichen ist die Vergleichbarkeit aufgrund der vielen diversen Ausrichtungen und Modelle der Plattformen schwierig. Einerseits gehört ein Shop bei vielen lokalen Projekten gar nicht zwingend zum Konzept. Je nach System verkaufen die Teilnehmer andererseits lokal oder auch bundesweit bzw. international. Auch die Größe der Produktwelt unter den Teilnehmern spielt eine große Rolle, das heißt, wie viele Produkte online tatsächlich angeboten werden.

Die Messbarkeit der RoPo-Effekte (Research online – Purchase offline) ist ebenfalls bislang nicht befriedigend gelöst. Die Systembetreiber sollten hier verstärkt Tools entwickeln, die diese Auswertungslücke abdecken. Aktuell verfolgen viele Händler jedoch nicht, über welche Kanäle ihre Kunden in den Laden gelockt wurden und ob der RoPo-Effekt bei ihnen positiv durchschlägt. Die Erwartungen an besser messbare Online-Reservierungen mit anschließender Abholung im Geschäft werden dagegen nicht immer erfüllt.

Umsatzerfolg und RoPo-Effekte hängen sehr stark von den einzelnen Händlern ab. Schließlich liegt es auch am Ideenreichtum und Engagement jedes Einzelnen, mit einer Vielzahl von eingestellten Produkten (min. 500), ansprechendem Storytelling, Aktionsangeboten und Gutscheinen, die Möglichkeiten der Plattform voll auszuschöpfen und Umsatzerfolge zu verzeichnen. Diese wichtigen, vorgelagerten Aktivitäten werden zu oft vernachlässigt, wenn ein entsprechender Automatismus noch fehlt. Aber genau wie mit dem Aufsperren der Ladentür am morgen, muss auch der Online-Auftritt regelmäßig „durchlüftet“ werden, um die Kunden neugierig zu machen und „herein“ zu bitten.

Ein allgemein gültiges Urteil ist in diesem Bereich daher seriös nicht zu fällen, es kommt stark auf die Einzelfälle an. Der Erfüllungsgrad von drei von fünf soll aber die grundsätzlich positive Tendenz aufzeigen, da die Erfolgsbeispiele durch kundenorientierte System-Weiterentwicklungen, SEO-Maßnahmen und die Qualifizierung der Händler zunehmen.

Fazit Erfüllungsgrad: 3 von 5

Nach Set-Up und Launch wird die Plattform zum Selbstläufer

Die Beobachtung zeigt, dass keine Plattform zum erfolgreichen Selbstläufer wird. Dieser Zeitpunkt wird offensichtlich nicht erreicht. Für die Betreuung der Teilnehmer braucht es einen langen Atem, immer wieder neue Motivation, Hilfe und Aktionsangebote, damit die Plattform aktuell und interessant bleibt. Zudem muss auch weiterhin auf Akquise gesetzt werden, denn einige Kündigungen nach ein bis zwei Jahren Laufzeit gehören dazu.

Dies ist wichtig anzuerkennen, denn es bedeutet, dass dauerhaft Mittel nicht nur für den technischen Unterhalt der Plattform, sondern auch für die personelle Betreuung durch einen Kümmerer einkalkuliert werden müssen.

Zudem hängt der Erfolg des Projekts am Engagement der beteiligten Projektmanager. Diese Köpfe sind sehr wichtig, auch als Aushängeschild. Ein Personalwechsel oder zeitweise unbesetzte Stellen auf Seiten der Kümmerer oder auch beim Betreuer des Systemanbieters werden Schwierigkeiten bedeuten.

Fazit Erfüllungsgrad: 0 von 5


Detailinformationen

  • Abschlussbericht „Gemeinsam online“ (PDF | 780 KB), auch in den Downloads zu finden